Charlotte als Tanja

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Charlotte als Tanja – Abendpost – Februar 1947

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“Schauspielerische Vision

Auf der Bühne steht eine Frau: kleine Figur von zartestem Körperbau, um das slawisch geschnittene Gesicht mit dem etwas traurigen Munde und wachen klugen Augen fließen beiderseits zwei weiche Bänder brünetten Haares. Wenn sie spricht und schreitet, hat sie Tonfall und Gang einer russischen Frau – niemals erlebten wir in Weimar seit langer Zeit eine schauspielerische Vision von so elementarer Wirkung und bezwingender Kraft, wie sie Charlotte Ulbrich in der Rolle der Tanja  gibt. Da sitzt jeder Satz, jede Bewegung, jede Nuance mit unfehlbarer Sicherheit. Die psychologische Wandlung von der verliebten, vielleicht ein ganz klein wenig hysterischen Frau zu einem vom letzten ethischen Verantwortungsbewusstsein  erfüllten Menschen wird erschütternd sichtbar gemacht. Wir stehen einem starken menschlichen und künstlerischen Erlebnis gegenüber, für das wir aus ganzem Herzen danken müssen. 

Die Begegnung mit Frau Ulbrich, bei deren Verpflichtung für Weimar Generalintendant Bortfeld eine äußerst glückliche Hand gehabt hat, macht den Wunsch dringlich, sie recht bald in einem neuen künstlerischen Einsatz (etwa als Puck im “Sommernachtstraum”) erleben zu dürfen.”

Hier die Kopie des ganzen Artikels: