Erinnerungen – gleich nach dem Krieg

Erinnerungen – gleich nach dem Krieg

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Gleich nach dem Krieg

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Als ich eingezogen wurde, fiel ein Schwarm
von sieben Schutzengeln auf die Erde. Das tat ihnen
nicht weh, Engel fallen, weil sie Flügel haben, leicht
und weich. Weniger hätten es nicht geschafft: mich
so unversehrt aus diesem infernalischen
Hitler-Krieg heil rauszukriegen.

   Erinnerung 1

Kriegsende

Welch ein schönes Wort. Los.

   Ein junger Mann kommt aus einem Zelt der US-Army in Oberbayern, Kirchseeon hieß der Ort. Juni 1945. Er hat ein Entlassungspapier der US-Army bekommen. Er ist frei. Ist er frei? Er ist frei von der deutschen Wehrmacht, desgleichen frei von US-Gefangenschaft. Er war zuletzt ‚entwaffneter Deutscher’. Das war sicher gut. Junger Mann mit Kanone wäre kaum so glimpflich davongekommen. Ernster gesagt: Viele dachten sicher: Naja, die Pistole werde ich mal lieber behalten. Oder gar: den Karabiner. Dann wurden sie Kriegsgefangene, mussten natürlich die Waffen abgeben und wurden möglicherweise noch nach USA verschifft. Und kamen erst wieder, wenn viele andere schon einen Beruf oder jedenfalls irgendeine Anstellung hatten.

     Satyrsp., bisschen derbe für den Anfang: Dem deutschen Soldaten bei der Schwanz-Parade (schreckliches Geschäft, musste aber wohl sein, damit möglichst wenig Geschlechtskrankheiten ins Volk geschleppt wurden) war mein Glied zu dreckig. Ich musste in die Toilette, und es waschen. Dann aber wurde ich doch entlassen.

    Gröfaz (Größter Feldherr aller Zeiten, milder Anti-Hitler-Volksmund) war tot. Selbstmord. Vorher hat er noch seine ihm zwei oder drei Tage vorher angetraute Geliebte, Eva Braun, erschossen. Mord. Einer mehr oder weniger, spielt bei Massenmördern keine Rolle. Alles im Bunker unter der Reichskanzlei. Ein sehr erbärmlicher Abgang. Aber zur Niederlage haben Massenmörder keinen Mut.

    Junger Mann – bin natürlich ich – blinzelt in die Sonne. Nun geht also das Leben los. Keinen Abschluss der Berufsausbildung, Ahnung, wo die Eltern sind – Wien -, keine Gewissheit; Geld? Ja, man kriegte da wohl so ein erstes Zehrgeld. Versuche, zu ergründen, wie er von Kirchseeon nach München gekommen ist, scheitern. Weiß nicht. War dann einfach (Naja, ganz so einfach war das wahrscheinlich nicht) in München. Ich wollte an den Ammersee. Dort gab es eine mit den Eltern vereinbarte Adresse: das Sanatorium eines amerikanischen Arztes. Fraglich, ob der dort noch wohnte. Probieren. Eine Tram fuhr schon nach Pasing. Wieder keine Erinnerung, wie ich von Pasing an den Ammersee gekommen bin. Weiß nicht. Ich fand das Sanatorium, lag prächtig oberhalb des Sees. Ich lümmelte vor dem Eingang herum. 

Da fuhren in eleganter Kurve einige Autos vor. Ihnen entstiegen hohe US-Offiziere in Uniform, fröhlich schnatternd, und einem entstieg der US-Doctor, den ich ja kannte. Filmreife Szene: Junger Mann in schäbigem Räuberzivil – ich trug das braune Jackett des Dolmetschers unserer Einheit in Italien, eine wehrmachtgrüne Hose – wird von elegantem Arzt angesprochen, doch sehr misstrauisch, was ich denn da wolle, schließlich hätte ich ja ein Attentäter oder sonst was sein können. „Mein Name ist Peter Podehl.“

    Misstrauen weicht strahlendem Lächeln. Die erste Frage gilt meinen Eltern, wie es denen denn gehe. Naja, das wollte ich ja gerade von ihm wissen. Er hatte keine Ahnung. Ob ich ihn darum bat oder ob ich so traurig dreinsah – ich durfte übernachten und – baden! Unter der Bedingung, dass ich die Wanne danach säubere. Wieso dieser Ami während des Krieges in Nazi-Deutschland bleiben konnte, ist etwas rätselhaft. Hatte das etwa mit Spionage zu tun? Dann saß ich in der Sonne auf einer Terrasse oberhalb vom Ammersee, kriegte was zu essen. Keine Erinnerung, was. Da war eine blonde junge Frau, Deutsche, Mann in Gefangenschaft oder sonstwo. Wir redeten. Es gab ja viel zu reden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Ich erinnere mich, animiert gewesen zu sein. Ins Bett zusammen? Kann sein, dass sie wollte. Meine Erfahrungen mit Frauen waren erschreckend mager. Nein, kein Bett. Ich hampelte ja rum mit der Überzeugung, dass Bett eine Bindung für längere Zeit bedeuten sollte. Damen sind nicht immer dieser Überzeugung. One-night-stand. Und seinerzeit die Nachricht, wie erstaunlich viele Kinder verstohlen unehelich sind. Ich bin übrigens immer noch überzeugt von der Formel: Bett gleich Dauer. Da entsteht doch eine Intimität, die die Welt in Atem hält. Deswegen hatte ich auch nur so wenige Damen in meinem Leben: drei. Naja, nicht der Ort, dies auseinanderzuklamüsern. Aber ich komme darauf zurück.

   Ich weiß nicht, wie und wo ich da geschlafen habe. Ich weiß nicht, wie ich gefrühstückt habe, wie ich wieder nach München kam. Nächstes Ziel war Wien – ostwärts.
Mandela, 25.4.2008

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  Erinnerung 2

   Einander. Ich zitiere Martin Buber: ‚Einander reichen die Menschen das Himmelsbrot des Selbstseins.’ Ich liebe diesen Satz, seine Wucht und Schönheit und Wahrheit und, ja: Eleganz. Er hängt an einem Wort am Anfang: Einander. Das wird sehr gerne mit ‚sich’ verwechselt. Aber es ist ein Unterschied, von zwei jungen Menschenkindern zu sagen: Sie lieben sich oder einander. Sich – ja, jeder Mensch hat eine mehr oder weniger große Portion Eigenliebe im Leibe. Aber ziemlich sicher will man doch sagen, dass sie einander lieben. Vollends deutlich wird der Unterschied, wenn man Buber so zitiert: ’Sich reichen die Menschen das Himmelsbrot des Selbstseins.’ Nein, das klingt ja schrecklich! Und ist auch schrecklich. Ich bin ja nur ein recht dilettantischer Sprachfex, aber auf das geliebte ‚Einander’ lasse ich nichts kommen. Das wissen die Menschen meiner Umgebung und achten darauf.

   Ich habe den Buber-Satz aus einem Insel-Bändchen. Das war ja ein genialer Verleger-Gedanke, der über so viele Jahrzehnte und Kriege erhalten blieb. Das Ehepaar Kippenberg waren ja wohl die Großeltern. Ach, was wäre ich rundum glücklich geworden, wenn je in meinem Leben ein Verleger von einigem Format eine Rolle gespielte hätte. Hat aber nicht. Doch: Ich bin mit meinen Stücken bei Bloch Erben gelandet. Immerhin, einer der großen Theaterverlage: KOMMEN UND GEHEN, zunächst im Verlag – Name weg, in Zürich. Ich glaube, dahinter steckte eine Vermittlung durch Günther Stapenhorst. Später der unglückliche Schiffbruch mit EUPA UND RO. Als ich SCHEIDUNG AUF PROBE zu Bloch Erben schickte, bekam ich eine ziemlich blöde Antwort. Nein, sicher nicht blöde, sondern fachgemäß mit der Betonung auf die veränderte Spielplansituation an den deutschen Theatern. Hören wir (wer wir?) auf, von versandeten Träumen zu reden. Schreibe ich halt meine Erinnerungen ohne welche an Verleger.

   Aber an Biggi. Das war noch lange vor dem Blinzeln auf der oberbayrischen Wiese. Ich wurde ihr nicht gerecht. Naja, kleine Vorsicht mit solchen Feststellungen. Wir waren an der Schauspielschule des Burgtheaters, sehr eng befreundet, nicht ganz eng. Wir knutschten gerne. Weiter gings nicht. Lag an mir. Ich hatte zu wenig Verständnis für Frauenherzen. Ich ahnte nicht, mit welcher Selbstverständlichkeit die Frauen ab einem bestimmten status der Liebe das Intime wollen, als eine Krönung des Knutschens. (Ja, ziemlich doof, dass es da in der deutschen Orthographie kein langgezogenes U gibt, aber ich kann doch nicht Knuutschen schreiben, macht der Computer gleich einen roten Strich drunter, wie der Deutsch-Lehrer.) Und ich war spröde, wie fast immer, wollte viel mehr Prüfen und Abwägen vor irgendwelchen Sprüngen ins Bett. Sehr spätes Bedauern? Nein, eigentlich nicht. Ich habe Biggi in sehr schöner Erinnerung. Sie war klein, stupsnasig, frech. Frech ein viel zu direktes Wort, ja: frech aus Unsicherheit. Sie rief mich an und sagte: „Ich bin splitterfasernackt.“ Unser erotischer Gipfel. Das Ende ein wenig getrübt durch meine Zuppeleien. War auch Krieg und meine Einberufung. Sehe sie noch auf dem Wiener West-Bahnhof, als ich nach St.Pölten fuhr, wo ich eine Kraftfahrerausbildung machte. Da gab’s noch einen Kuss. Ich habe sie nach dem Krieg irgendwo wiedergesehen. Aber wer war denn das? Doch nicht Biggi. Und sie wird vielleicht gedacht haben: Wer ist denn das? Tragödie? Nö, Lawatschan. (Dreimal langes a.)

   Als ich eingezogen wurde, fiel ein Schwarm von sieben Schutzengeln auf die Erde. Das tat ihnen nicht weh, Engel fallen, weil sie Flügel haben, leicht und weich. Weniger hätten es nicht geschafft: mich so unversehrt aus diesem infernalischen Hitler-Krieg heil rauszukriegen. Ich kann meine soldatische Laufbahn wirklich nur wie ein einziges Gnadengeschenk sehen. Ende 1942 wurde ich eingezogen, Stalingrad war in vollem Gange. Ich landete in Jugoslawien und Italien auf Schlössern und inmitten von Weinbergen. Ich wurde ja sogar am Ende noch Unteroffizier von Hitlers Gnaden, was meine Mutter so wenig verstand, dass sie Briefe an mich weiterhin mit ‚Gefreiter’ adressierte. Der Dienstgrad passte zu mir wie der Titel Graf zu Herrn Koks. Ich gehe ein bisschen holterdipolter über meine Militärzeit weg. Da bleibt Einiges nachzuholen.
Mandela, 30.4.2008

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 Erinnerung 3

Freundschaft

    Am Morgen des Tages, an dem ich endgültig nach St.Pölten fuhr (Meine Großmutter in Berlin-Reinickendorf konnte mit dem St. nichts anfangen und sagte, ihr Enkel sei in Pölten Soldat), schrieb ich ins Tagebuch: ‚…und geh aus meiner Wirklichkeit in euren grauenhaften Traum – ein leises Lächeln auf den Lippen’. Genau das war es: meine Wirklichkeit war die Schauspielschule des Burgtheaters im Palais Cumberland draußen in Hitzing. Wir spielten ab und zu im Schlosstheater Schönbrunn. Rollenstudium, Sprachunterricht, Gymnastik, Fechten, Literatur bei Professor Schreyvogel, den ich nicht besonders gut leiden konnte. Biggi, viel Flirt, viel Heiterkeit. Ja, auch Oberflächlichkeit, wieso denn nicht? Gunther Plachetta, der sich später Gunter Philipp nannte und als bravouröser Klamottenkomiker des deutschen und österreichischen Films sehr bekannt wurde. Approbierter Arzt mit Hang zum Schauspielen. Der grauenhafte Traum, – das war der Krieg: Fronten, Schlachten, Blut, Tode. Meine Mutter brachte mich runter zur Tür der Stiege 7 des Hochhauses in der Herrengasse, zweiter Innenhof. Unsere Wohnung hieß: 7/7/15: Stiege 7, 7. Stock, Tür 15. Wir küssten einander, und sie sagte: „Gott schütze dich.“ Und ich antwortete: „Wird er schon machen.“ Schnoddrig, nicht wahr? Nein, zutiefst gläubig. Er tat es. Glaube, einigermaßen ernsthaft verankert, fragt nicht nach Schnoddrigkeit. Ich lasse mir diesen Glauben so wenig rauben wie das Wort ‚Einander’. 

   Nach einigen Wochen wurden wir von St.Pölten nach Enns an der Enns verlegt. Sehr alte Kaserne aus k.u.k.-Zeiten, in Spuren sogar heimelig. Wir machten alle den Führerschein Klasse 2 (für Lastwagen) und zitterten unserem ersten Einsatz entgegen. Russland? Nein, Jugoslawien. Zunächst nach Petrinja, Städtchen nicht allzu weit westlich von Agram, Bäckerei-Kompanie 197 ohne Lastwagen. Wir schoben Wache und backten. Die Lastwagen sollten kommen, kamen aber nicht. Dann wurden wir nach Agram verlegt, Kaserne am Rande der Stadt, wir Kraftfahrer waren da etwas heimatlos, keine gute Zeit in der Erinnerung. Da fragte der Spieß (Feldwebel, der die Geschäfte einer Einheit führt, etwas verallgemeinert gesagt) eines Tages, ob denn Jemand Schreibmaschine schreiben könnte. Ich glaube, er fragte auch nach Stenographie. Ich meldete mich: Schreibmaschine ja, Stenographie nein. Bissige Bemerkungen der Kameraden: „…mit einem Finger…“ Aber ich kam zu Oscar in die Hauptabteilung V (Motorisierung) des Divisionsstabes der 187. Reserve-Division in Agram, direkt neben dem Theater. Zunächst fuhr ich noch täglich mit der Straßenbahn zur Arbeit, war schon eine etwas sonderbare Existenz: Büroangestellter in Agram. Bald zog ich bei Oscar ein. Ich fürchte, er schrieb sich Oskar. Er wurde mein Freund.

    Ich hatte in meinem Leben wenige Freunde. Lag sicher auch wieder an mir. Leichtfertig konnte ich auf diesem Gebiet nie sein. Oskar beschützte mich in einer für mich denn doch eher bedrohlichen Welt. Was war ich für ihn? Poet in Uniform, kleines Wunderfigürchen. Nur kam ich mir so überhaupt nicht vor. Ja, ich schrieb Gedichte und zeigte sie ihm. Fand er nicht selbstverständlich. Weder das Schreiben noch das Zeigen. Wir waren beide abgeschnitten von unseren Bindungen in Wien. Er von seiner Frau, ich von meinen Eltern, die ja doch noch meine entscheidenden Bezugspersonen waren. 

    Noch einmal in meinem Leben habe ich jemanden mit einer lyrischen Produktion verblüfft: Wolfgang Staudte. Wir schrieben das Drehbuch zum kleinen Muck. Jeden Vormittag fuhr ich von Babelsberg nach Dahlem, und wir diktierten einer DEFA-Sekretärin, die möglicherweise mit der Stasi in Verbindung stand. Wir kamen zu der Szene, in der Prinzessin Amarza auf ihren Prinzen wartet. Wir nannten ihn immer nur den guten Prinzen, im Gegensatz zum schlimmen Bajazid. Amarza singt ein Lied des Wartens. Ja, das musste ja geschrieben werden. Und ich schrieb das an einem späten Nachmittag und brachte es am nächsten Morgen mit zur Arbeit. ‚Wie des Mondes liegende Sichel von silbernem Licht…’ Staudte war völlig baff: da setzt sich Podehlchen – Name, den ich nie leiden konnte, Charlotte schon gar nicht – hin und schreibt ein so schönes Gedicht. Rothers hat es übrigens sehr schön vertont. Ist das derselbe junge Mann, mit dem ich das Drehbuch schreibe? fragte sich wohl Staudte. Er wars.   

   Das Ende der Beziehungen zu Oskar, um das vorweg zu nehmen: Kam er eigentlich noch nach Italien mit? Er ging auf Dienstreise und beschaffte in der Heimat Gegenstände, die der Stab der aufzubauenden Jäger-Division brauchte. Er blieb sehr lange weg, war lange und gern bei seiner Frau in Wien. Aber er hatte wohl ein Gefühl, mich zum Kriegsende hin nicht allein lassen zu dürfen und kam spät nach Italien zurück und wollte zu unserer Einheit, die er jedoch nicht fand. Er betonte, er sei nur nach Italien zurückgekommen, um mich weiterhin zu beschützen, machte mir fast einen Vorwurf, dass ich mich nicht finden ließ. Und – geriet in US-Gefangenschaft, der ich ja bekanntlich mit einigem Hakenschlagen entging. Das untermauerte seinen Vorwurf.

   Die Beziehung wurde nie wieder so intim wie sie in den kargen Stuben der 187. Reservedivision war. Das lag an den Frauen. Seiner ihm angetrauten, meiner Mutter. Dazu taugte diese Freundschaft nicht. Meine Mutter fertigte kleine Kärtchen mit Zeichnungen zu Weihnachten, die sie im großen Papierwarenladen am Kohlmarkt verkaufte. Das tat ihr Oskars Frau nach, dann sogar Oskar, der Schuhmodellzeichner, viel behender und schmissiger. Es gab Zwistigkeiten. Seine Tochter verliebte sich in mich, wohl vor allem, weil ich im Schmierentheater den Märchenprinzen spielte, konnte dann mit der sehr viel später auftauchenden Charlotte nichts anfangen. Und wer mit Charlotte nichts anfangen konnte… Aus, Ende, nie wieder was gehört.

   Hinter dem Gebäude, in dem der Divisionsstab untergebracht war, lag ein kleiner langgezogener Hof, wo die Autos des Divisionsstabes parkten, dann ein ebenerdiger Bau mit Büros, auch unserem. Da schliefen wir auch. Irgendwo war da auch die Schirrmeisterei des Stabes, einige Autos für den General und die höheren Chargen. Diese Existenz in der Schreibstube für Autos – hauptsächlich natürlich Lastwagen – war eigentlich ganz gemütlich. Ich bekam einen britischen Beutewagen zugeteilt, Linkslenker. Einmal habe ich den General gefahren, wurde mir vorher eingebläut, mich vorschriftsmäßig zu melden. Kann es sein, dass er nach meinen privaten Umständen fragte und ich gestand, dass ich auf der Schauspielschule war? 

   Wir hatten natürlich auch noch einen Offizier: Hauptmann Sporer, hatte Psoriasis, war nicht sehr angesehen im Stabe, betonte immer wieder, er leite die Abteilung h-mot, kein Mensch wusste, was das heißen sollte, war eine veraltete Bezeichnung. Aber ich schriebs in die Briefköpfe. War ein Pingeliger. Später leitete Inspektor Conradi die Abteilung, der fiel auf einer Tour ins Umland im Kampf mit Partisanen, an der teilzunehmen er nicht gezwungen war, dann Hauptmann Pfeiffer („mit drei f“) aus dem Schwabenland. Den Herrn Sporer traf ich eines Tages in der Nähe von Linz wieder, auf einer Fähre. Ich war da in Gesellschaft der Köller-Truppe – davon später mehr – auch reizende junge Damen, ich glaube, Sporer war ein bisschen neidisch.

    Vielleicht gute Gelegenheit, einmal zu bekennen, was ich von meiner sehr schmalen lyrischen Produktion halte: nichts. Ein paar schöne Zeilen – ‚die blauen Flügel wehen leis’ – einige gute Gedanken – ‚muss dich auch um Dinge fragen, die sonst keiner weiß’ – mit dem österreichischen ‚um’, ansonsten Geschwafel, Gezirpe und Murks. Ad acta.
Mandela, 1.5.2008

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Erinnerung 4-8 findet ihr HIER. Da gehts ums Theater (und Charlotte) in Weimar.
Wie gesagt, besonders linear sind diese Mandela-Erinnerungen nicht.