Peter Podehl

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Kleine Chronik der Entstehungsgeschichte
von “König gefangen”

von
Jannik Graf

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Peter Podehl fing mit den Recherchen und ersten Vorarbeiten zu dieser ungewöhnlichen Komödie bereits im März 1984 in München an, bevor er sie schließlich Sommer für Sommer in den 1990er Jahren wohl hauptsächlich auf Sardinien niederschrieb. In seinem Tagebuch sind einige Anhaltspunkte zur Entstehung seiner originellen Mischung aus mittelalterlichem Historiendrama und moderner Boulevard-Komödie zu finden. Er begann die Arbeit an diesem langjährigen Projekt, nachdem der Theaterregisseur Lutz Hochstraate, an welchem große Hoffnungen und Träume für eine späte Uraufführung von Eupa und Ro hingen, dieses Stück letztendlich ablehnen musste. Hochstraate war gut vernetzt im internationalen Regietheater, übernahm wenig später für fast 20 Jahre die Intendanz des Salzburger Landestheater — als Schauspieler arbeitete er davor wiederholt mit Peter zusammen: Er spielte eine Hauptrolle in Jan vom Goldenen Stern und war 1983 der neue Sprecher des Lemmi. An Eupa und Ro, vom Autor komplett überarbeitet und mit dem neuen Arbeitstitel Ein Kontinent wird einberufen versehen, hatte Hochstraate ein großes künstlerisches Interesse angemeldet, welches P.P. nach der Ablehnung ein bisschen in Frage stellte. 

Und die Frage, der Verdacht: ist die Aufwendigkeit der einzige Grund der Ablehnung? Könnte es sein, dass [Lutz Hochstraate] froh war, dahinter auch inhaltliche Ablehnung verbergen zu können? Er beteuerte, dass ihm das Stück gut gefallen habe, aber — Ein Satz, von dem ich annehmen darf und möchte, dass er ehrliches Bekenntnis war: Ich habe in ihm einen Freund, dem ich weitere Arbeiten schicken kann und soll. Das ist für einen Freundlosen wie mich eine große Sache. Aber wie weit bin ich freundesfähig?

Die Absage führte nicht etwa zu kreativer Stagnation, sondern ermutigte Peter, die jahrzehntelange Arbeit am Europa-Stoff (ursprünglich in den 1950er Jahren gemeinsam mit Erwin Hahs entwickelt) schließlich erneut fortzusetzen und außerdem mit neuen ambitionierten Schreibprojekten anzufangen. 

Wie lebt der Schreiber P.P. weiter? In meiner kalten, wohl auch gnadenlosen Art, habe ich die Möglichkeiten durchgezählt:

  1. Ich schreibe das Stück zu Ende und wir machen einen letzten Versuch bei Ludwig Cremers Witwe, Frau Hunzinga. [Lutz Hochstraate] benutzte das gute Wort locker; wenn Sie locker genug dazu sind, dann probieren Sie es doch woanders.
  2. Ich schreibe das Stück zu Ende.
  3. Ich schreibe das Stück nicht zu Ende.
  4. Und begebe mich an eine historische Boulevard-Komödie um den berühmten (bei mir berühmten) König Enzio.
  5. Und begebe mich statt 4. an den Zeitungs-Roman. Aber wie ist der zu lancieren?
  6. Und begebe mich statt 4. und 5. des Schreibens überhaupt!

25. März 1984:
Charlotte fragte unvermittelt, ob ich nicht noch ein Stück im Kasten hätte. Ich erzählte ihr von König Enzio. Nach kleinem Vorhalt, wieso sie davon nichts wüsste, riet sie mir dringend, da an die Arbeit zu gehen. Ich will mir Material besorgen.

Kurz darauf, ohne Datum:
Heute erste Enzio-Studien in der Staatsbibliothek, — wie nicht anders zu erwarten: zunächst ernüchternd. Wohl auch viel Legende. Aber im Hintergrund reizvoll.

München, 10. April 1984:
In der Staatsbibliothek alles über Enzio Vorhandene aufgearbeitet, es ist alt und nicht viel. Aber der Stoff bleibt reizvoll.

München, 13. April 1984:
Zwei Bücher, die ich in der Veterinärstraße bestellt hatte: Psychologie für Nicht-Psychologen und Für ein anderes Mittelalter. Das letztere im Hinblick auf Enzio.

Köln, 10. Mai 1984:
Kontinent, Enzio — Waschungen, damit dann der Zeitungs-Roman sauber erscheinen kann.

München, 14. Mai 1984:
Ich ackerte Kantorowicz’ Friedrich II. nach Angaben über Enzio durch. Stoff von hohen Reizen, wenn auch derzeit völlig nebulös.

Hamburg, 13. Juli 1984:
Der Kontinent soll fertigwerden und zu einem Preisausschreiben geschickt werden, König Enzio steht auf dem Plan, der Zeitungs-Roman und im Dämmer der Zukunft Wir sind ein Gespräch.

Hamburg, 15. August 1984:
Bei meinen tastenden Versuchen, ins Mittelalter vorzudringen (für Enzio und Neben-Märchen), stelle ich fest, dass die Kirche auch gegen Handel und Wandel war: alles, was dem Menschen Zeit brachte, was er, statt es selber zu erarbeiten, für Geld kaufen konnte, war suspekt! 

München, 28. Oktober 1984:
Enzio, für den mir der schöne Titel König gefangen einfiel.

(wird erweitert!)

© Jannik Graf

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