Angela

Peters kleine Geschichtchen

ANGELA

Idee zu einer Filmkomödie

von

Peter Podehl

©

Fast jeden Abend kommt Angela spät von der Vorstellung nach Hause. Sie ist Tänzerin am städtischen Opernhaus, blond, ein wenig herb, von naiver Schlagfertigkeit und bezaubernder Originalität. Im Laufe der Geschichte wird sie ihren 17. Geburtstag feiern.

Fast jeden Abend grault sich Angela ein wenig vor dem einsamen, dunklen Stück ihres Nachhauseweges von der Haltestelle bis zur Wohnungstür. 

Seitdem sie aber weiß, dass jeden Abend ein Polizist auf seinem Streifengang denselben Weg geht,  benutzt sie regelmäßig dieselbe Straßenbahn, um im Schutze der Uniform, etwa 10 Schritte vorneweg, den nunmehr gefahrlosen Nachhauseweg anzutreten.

Ihre Fortbewegungsart dabei mit “gehen” zu bezeichnen, wäre nicht ganz richtig. Angela ist tanzbesessen, und der Polizist geht streifenmäßig langsam. Was Wunder, dass Angela auf dem Nachhauseweg ab und zu exercises macht, diesen pas oder jene Passage übt.  Die verrückte Passantin ist für den Polizisten eine bezaubernde Abwechslung und ihr Nachhauseweg wird für ihn bald zur freundlichen Gewohnheit. 

Eines Abends hört man aus einem Keller einer Villenruine so verdächtige Geräusche, dass der Hüter der Ordnung seines Amtes walten muss. Aber statt eines Verbrechers findet man den abgetaktelten Musical-Clown Quis-Quis, der sich da häuslich eingerichtet hat. 

So kommen Polizist und Tänzerin ins Gespräch. In Angela erwacht die allererste große Liebe, der Polizist denkt und fühlt nichts dergleichen, obwohl ihm die kleine Person ausgesprochen sympathisch ist.  Sie schenkt ihm eine Freikarte für den Ballettabend und lädt ihn zum Geburtstag ein, zu dem auch Quis-Quis gebeten wird. 

Angela hat eine ältere Schwester, Katja, und einen jüngeren Bruder, Lorenz. Die Mutter lebt nicht mehr, der Vater ist noch in Russland. Maddel, eine Schwester vom Roten Kreuz, nahm sich ohne große Umschweife der Kinder in der schlimmen Zeit an und wurde so ein Stück junge Mutter oder alte Schwester. Man lebt in allerbestem Einvernehmen. 

Auf der Geburtstagsfeier – man ist im Kostüm – flirten Katja und der Polizist, der übrigens Gabriel heißt, miteinander, durchaus in Grenzen und harmlos. Aber für Angela ist es ein furchtbarer Schlag. Ohne Mantel über dem Kostüm läuft sie in den nächtlichen Nieselregen.

Am selben Abend ist ihr Vater aus Russland zurückgekommen, ein sehr patenter alter Herr, ganz militärisch unbelastet und gütig. Und kaum angekommen begegnet ihm auf der Straße ein junges Mädchen im Phantasiekostüm, so dass er glauben muss zu träumen, bis ihm klar wird, dass er vor seiner Tochter steht. 

Alle Liebe, die Angela glaubt, an Gabriel verschwendet zu haben, wirft sie nun auf den Vater, der sich kaum zu retten weiß. Er muss in jede Vorstellung, wo sie einen Piep zu tanzen hat, er muss Ausflüge mit ihr machen und dergleichen. Gabriel ist im Ungewissen. Die abendlichen Nachhausewege fallen aus. Sein Gewissen fühlt er eigentlich nicht belastet, aber irgendwann glaubt er doch, dass er etwas gutzumachen hat. Bei Quis-Quis lernt er Mundharmonika, denn  die wäre dann Angela auf dem Nachhauseweg eine angemessene Begleitung.

Da sieht er Angela nach langer Zeit wieder einmal aus der Straßenbahn steigen. Aber sie wird abgeholt von einem Mann, der sie zärtlich begrüßt. Daraufhin schmeißt Gabriel seine Mundharmonika weg und lässt den neuen Dingen etwas missmutig seinen Lauf. 

Aber die Enttäuschung, die Angela auf diesem Nachhauseweg bereitet wird, ist noch größer. Der Vater und Maddel werden heiraten. Dieser Entschluss ist in aller Stille gereift. Angela muss erkennen, dass sie die Liebe zu einem jungen Polizisten, auch wenn sie enttäuscht wurde,  nicht einfach auf einen heimgekehrten Vater übertragen kann. 

Lorenz hilft ihr, zu dieser Erkenntnis zu kommen und bestellt ihr die Grüße von Gabriel, die er für sie seit einigen Wochen aufgehoben hatte. Er rennt auch aufs Revier, um Gabriel Bescheid zu sagen, dass nach seinem Dafürhalten die Begleitung nun wieder erwünscht ist. 

Gabriel kauft eine neue Mundharmonika, und seine zweifache Begleitung als Beschützer und Musikante wird am Abend so dankbar zur Kenntnis genommen, dass Angela den ganzen Nachhauseweg tanzt, bis Geschichte, Musik und Tanz in C-Dur enden.

© Peter Podehl

Peters kleine Geschichtchen

Nur Einer!

Drei Kilo Zucker